Reisen Australien


4. Februar 2009

Der Litchfield Nationalpark

Kategorie: Reiseabschnitte – admin – 10:06


Der Litchfield Nationalpark, für den man sich mindestens einen ganzen Tag, eher mehr Zeit, nehmen sollte, wird mitunter gern als kleiner Bruder des Kakadu Nationalpark bezeichnet. Was sich jedoch lediglich auf die Größe beziehen dürfte. Denn letztendlich befinden sich beide Parks, jeder auf seine Weise, in einer Art qualitativ gleichwertigem Konkurrenzkampf. Der Litchfield Nationalpark liegt etwa 128 km südlich der Stadt Darwin und ist ein sehr junger Park im Northern Territory. Der Park wurde erst Mitte der achtziger Jahre für den Tourismus erschlossen. Namensgeber des Parks war Frederick Henry Litchfield, der 1864 an einer finnischen Expedition teilnahm, die von Südaustralien startete, und sich später in der Region niederließ. Seine Nachfahren leben noch heute in der Region. Der Litchfield Nationalpark bietet unter anderem zauberhafte Schwimm-Möglichkeiten. Zum Beispiel kann man an den romantischen Pools der Florence Falls, den Wangi Falls (der Hauptattraktion des Parks) und den Sandy Creek Falls herrlich baden. Außerdem lohnt sich ein Besuch der Buley Rockholes, eine Gruppe kleinerer Wasserfällen und Pools.

An den Wangi Falls wird zwar vor Krokodilen gewarnt, diese sind jedoch überwiegend harmlos. Dennoch sollte man ihnen mit dem gebührenden Respekt begegnen. Denn so friedlich sie auch scheinen mögen; letztendlich sind sie stärker und schneller als Menschen. Die Krokodile in den Flüssen Finniss und Reynolds sollte man dagegen auf jeden Fall tunlichst meiden. Die Florence Falls sind umrahmt von Palmen, eignen sich gut zum (krokodilfreien) Schwimmen wie zum Duschen unter zwei Wasserfällen und bieten einen kleinen romantischen Billabong. Dabei handelt es sich um einen Wasserlauf, der sich in der Regenzeit mit Wasser füllt und ansonsten fast oder ganz austrocknet. Billabongs werden gleichermaßen von Menschen und Tieren genutzt. Der größte Billabong des Parks liegt jedoch bei den Wangi Falls.

Der Tomer Fall ist ein hoher, schmal fallender Wasserfall, der von der Tabeltop Range steil hinunter ins grüne Tal prasselt. Dieses Tal ist eines der letzten Rückzugsgebiete der Orange Horseshoe Bat, einer Hufeisennasen Fledermaus, und der Australischen Gespenstfledermaus. Beide Arten reagieren empfindlich auf menschliche Störung. Aus diesem Grund ist das Gebiet besonders geschützt und darf nur von Rangern und Forschern betreten werden. Dennoch lohnt sich auf jeden Fall eine Wanderung direkt zu den Tolmer Falls.

An der Litchfield Road stehen “magnetische” Termitenhügel, die bis zu 3 m hoch und wie Magnetnadeln ausgerichtet sind und in dieser Form weltweit nur hier vorkommen. Um der Mittagshitze zu trotzen ist der schlossähnliche Kathedralenbau in Nord-Süd-Richtung angelegt. Eine andere Theorie besagt allerdings, der Grund dieser eigentümlichen Bauweise sei darin zu finden, dass nur so die Nahrungsvorräte und die Brut der Terminen vor den jährlichen Hochwassern zu schützen ist; anderenfalls würden sie einfach weggeschwemmt. Einige dieser Hügel findet man auch weiter im Süden des Parks, auf dem Weg zu den Tjaynera Falls.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist The Lost City, die mit freistehenden und bizarr anmutenden Sandsteinblöcken und Formationen eine ganz eigene Faszination ausüben. Die Fahrt dorthin sollte allerdings vorzugsweise mit mit guten Geländewagen angetreten werden.

Im Litchfiled Nationalpark lassen sich eine Vielzahl außergewöhnlicher Tiere gut beobachten: Im gesamten Park finden sich Marder und verschiedene Possumarten sowie Fledermäuse. Außerdem lässt sich ein großer Vogelreichtum beobachten; zum Beispiel der Eisvogel “Kookaburra” mit seinem markanten Erkennungszeichen, einem sehr auffälligen Lachen, und nomadisierende Galahs - eine rose farbige Papageienart. Auch Flughunde mit einer ungefähren Spannweite von einem Meter kann man, am besten bei beginnender Dämmerung, beobachten. Wer sich zu späterer Stunde mit einer Taschenlampe auf die Suche begibt, findet sie an Akazienblüten hängend Nektar saugen.

Die Vegetation des Parks besteht überwiegend aus offenem Wald mit Woll-Eukalyptus, verschiedenen Banksien, elegante Palmfarne, Grevilleen und Akazien. An Flüssen und Wasserfällen finden sich kleine Monsunregenwälder mit unzähligen Farnen sowie Schlingpflanzen und verschiedene Früchte.

Was die Unterkünfte betrifft, so findet man im Litchfield Nationalpark zahlreichen Campingplätze, auf denen man sich jedoch frühzeitig einfinden sollte. Hotels sind nur außerhalb zu finden, zum Beispiel in Batchelor. Im Park selbst gibt es nur sehr spärlich die Möglichkeit, Lebensmittel einzukaufen, so dass man sich vorab ausreichend eindecken sollte. Ab und zu findet sich mal eine Art Kiosk, der jedoch aufgrund der Seltenheit erfahrungsgemäß von Menschenmassen überlaufen ist.

Bezüglich der Straßenverhältnisse sollte man sich vor Fahrtantritt auf jeden Fall informieren. Besonders in der Regenzeit, ungefähr von November und April, kann es durch heftige Regenfälle oder überlaufende Flussufer zu Unpassierbarkeiten kommen.

Da der Park verständlicher Weise Hauptausflugsziel der Einwohner von Darwin ist, wird er gern an verlängerten Wochenenden genutzt. Sofern man sich also frei entscheiden kann und fernab des Trubels den Litchfield Nationalpark genießen möchte, sollte man Wochentage zum Besuch vorziehen. Denn so einsam, wie der Urlauber Australien meist einschätzt, ist dieses wundervolle Gebiet an den Wochenenden, verständlicherweise, keinesfalls.

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